Zurück zu den balinesischen Ursprüngen

Das Mannheimer Schlagwerk trägt in der Alten Feuerwache komplexe Rhythmen und phantasievolle Klänge mit Präzision und Virtuosität vor.

Von balinesischer Gamelan-Musik und ihrer modernen Fortsetzung, der Minimal Music, sind heutige Werke für Schlagzeugensemble oft inspiriert. Das jüngste Programm des Mannheimer Schlagwerks, das in der Alten Feuerwache einen Auftritt hatte, war voll davon.

Das von dem Schlagzeugprofessor an der Mannheimer Musikhochschule Dennis Kuhn geleitete Ensemble vergibt auch Kompositionsaufträge. Der jüngste ging an Markus Reuter, Jahrgang 1972, und auch er zeigte sich stark von Minimal Music beeinflusst.

„Sun Trance“ heißt sein neues, dreiviertelstündiges Werk. Ruhig und ausdauernd kreisende Harmonien führten in eine dunkel-elegische Traumwelt. Eine selbstgebaute Touch-Guitar spielte der Komponist selbst und entlockte ihr verzerrt flutende Sounds zu den ruhig blinkenden Klängen der Vibraphone, des Glockenspiels und der Bassklarinette. Weitere Instrumente Waren Synthesizer, E-Gitarre und E-Bass. Für manche wurde das Werk zu einer schieren Geduldsprobe, die meisten aber ließen sich ein auf die meditative Reise der immer gleichen Klangmuster.

Voller Substanz sind die Werke des Schweizer Komponisten und Schlagzeugers Siegfried Kutterer. Mitreißende, komplexe, erregende Rhythmen und Klänge aktiviert er immer wieder in seinen Kompositionen. Ethnisch und von Gamelan-Musik inspiriert War Sein „Straight Inside Part 1″, ratternd und klackernd auf Toms und Bongos gesetzt von Szilard Buti und Domenico Melchiorre. Faszinierende Musik bot das Duo auch mit Kutterers „Straight Inside Part 2“, konzis und erregend getrommelt, in fabelhaft verschränkter Präzision. Magische Schönheit und Ruhe entwickelte Kutterer für Sein „Angel’s Desire“, traumhaft und wie verwunschen wirkende Gamelan-Klänge, vom Mannheimer Schlagwerk und Trio Decibells wunderbar zum Tönen gebracht auf diversen Vibraphonen, Gongs und Cowbells.

Nicht minder großen Eindruck hinterließ zum Abschluss „Indigo“, gleichfalls aus der Feder des Schweizer Komponisten, der hier mit seinem Ensemble und Mannheimer Schlagwerk musizierte. Geheimnisvolle Klänge von großer Magie wurden dabei entworfen. Auf abgedämpften Vibraphonen, Afrobells, entstanden faszinierende Reibungen der Töne. Gamelan-Rhythmen wurden durch Intensivierungen in einen fesselnden Sog gebracht. Es gab phantasievolle Klänge zu hören, orchestral geweitet von dem großen Ensemble, das die ganze Bühne einnahm und sehr konzentriert musizierte. In rasanten Beschleunigungen entwickelte Dennis Kuhn mit seinem Schlagwerk große Virtuosität. Indische Skalen und Jazzrock Vereinte zuvor T. V. Gopalkrishan in seinem Werk „Chaturanam“, das rhythmisch vertrackte Grooves improvisationsfreudig ausweitete. Eine Musik, die viel Lebensfreude verbreitete mit komplexen Rhythmen und vitalen perkussiven Abschnitten. Paul Stolze lieferte dazu starke Soli am Tenorsaxophon. „Kaleidoskop“ nannte der Jazz-Saxophonist sein neues Werk, dessen drehende Motive und minimalistischer Jazzrock an solch ein optisches Glas erinnerte.

Kritik zum Konzert des Mannheimer Schlagwerk am 23.05.2017 in der Alten Feuerwache Mannheim.
Aus RHP 27/05/2017 mit freundlicher Genehmigung von Rainer Koehl.

Post-Photo by Frank Schindelbeck