„Die haben Rhythmus im Blut, ja im ganzen Körper“

…schwärmte ein älterer Herr noch im Hinausgehen, nach dem Konzert des Mannheimer Schlagwerk, das wieder im Rahmen der Kurpfalzkonzerte der Stadt Neustadt im Saalbau zu Gast war. Ja, die Studierenden der Schlagzeugklasse von Prof. Dennis Kuhn von der Mannheimer Musikhochschule waren einmal mehr bestens in Form und hatten ein spannendes Programm mitgebracht.

80. Geburtstag des Komponisten Peter Michael Braun – Dharma

Anlässlich des 80. Geburtstags des Komponisten und ehemaligen Kompositions-Professors Peter Michael Braun gab es als Uraufführung dessen „Dharma“ für 5 Schlagzeuger. Es sei ihm eine große Ehre, in diesem schönen großen Saal sein neues Werk zu erleben, sagte der im Donnersberg-Kreis lebende Braun. „Dharma“, das Wort aus dem Sanskrit bedeute „Gutes Benehmen“ und ebendies sei Grundgesetz für ihn, bekannte der Komponist. Das Tonmaterial hat er aus der Naturtonreihe gewonnen, auch dies ein grundlegendes Prinzip für den Komponisten. Das Material als Spiegelbild einer höheren, göttlichen Ordnung. In der Tat hat der Komponist ein Werk geschaffen, das in seiner Fülle an Farben und Ereignissen, in seinem spirituellen Gestus tiefe Wirkung hinterließ. Immer wohlklingend und harmonisch tönte diese Musik, die Mystisches ebenso eröffnete wie Kreatürliches. Reicher Klangzauber kam hinein durch glissandierende und exotische Klänge, durch sehr präzise umgesetzte Polyrhythmen. Mit Pauken, Marimbaphon, Gongs, Glocken, Woodblocks und vielem mehr eröffneten die Schlagzeuger einen magischen Zauber von hohem ästhetischem Reiz. Ruhevoll pulsierend, freundlich ratternd und klackernd. Gleißende Klänge der Metallinstrumente, Glockenspiel und Zimbeln, und auch die Glasharfe bereicherte die erlesene Farbenlandschaft. Reiche Fantasie an Klängen und Rhythmen tönte aus dem Werk, das gerade in den reduzierten sparsamen Abschnitten schönste Geheimnisse öffnete. Unter der Leitung von Phú Son Nguyen musizierten Oğuz Akbaş, Luis Andrés Chavarría Báez, Ti-Hsien Lai, Ling Lü und Anna Zeltzer mit bestem Gespür für diesen Zauber.

Tanz mit den Maracas

Bezaubernd war auch „Temazcal“ von Javier Alvarez. Einen Tanz mit den Maracas führte Anna Zeltzer aus in dem Werk, das rituelle Traditionen der Azteken aufgriff, ließ die Rasseln rhythmisch virtuos zu den elektronisch-percussiven Klängen vom Band erklingen. Choreografie und Rhythmus waren trefflich vereint, auch in dem heiteren Schlussteil, der Calypso-Rhythmen aufgriff. Ein hochvirtuoses Solostück ließ Luis Andrés Chavarria Báez hören mit Scott Lindroths „Bell plates“. Fesselnd verschachtelt waren die filigranen Rhythmen vom Band mit jenen, die live auf Metall-Percussion, Toms und Bongos getrommelt wurden. Dabei kam auch einiger Gamelan-Zauber in die erregende Polyrhythmik, die klanglich und musikalisch in Bann schlug.

FAST – Uraufführung des kanadischen Komponisten Tim Brady

Als Uraufführung spielte das Mannheimer Schlagwerk den zweiten und dritten Satz aus „FAST for percussion sextet“ des kanadischen Komponisten Tim Brady. Ruhig und trancehaft ließen sechs junge Spieler die minimalistischen, komplex verwobenen Rhythmen und farbenfrohe Klänge auf Marimba und Vibraphonen pulsieren, führten sie in soghafte Steigerungen. Fesselnd ineinander verschachtelte Rhythmen, von Minimal und Gamelanmusik inspiriert, präzise ablaufende Fluktuationen. „Catching Shadows“ hieß das Percussion Sextett von Ivan Trevino, zu dem Marius Fink ebenso hinzutrat wie Lukas Heckmann, der den Abend moderierte. Klangvolle Farbenflächen ließen die jungen Musiker auf den Vibraphonen und Marimbas pulsieren, schwungvoll tanzende Rhythmen, die in einen selig elysischen Teil einschwenkten. Harmonien wie von einem Adventslied wurden dabei von den Schlagzeugern gesungen und aufs Instrumentarium geschlagen, blinkend und bimmelnd, hymnisch gesteigert mit zischenden Becken. Gerade so, als stünde Weihnachten vor der Tür. Große Begeisterung im vollbesetzten Saalbau. (Kritik von Rainer Köhl zum Konzert des Mannheimer Schlagwerk am 08.11.2016 in Neustadt an der Weinstraße)

(Herzlichen Dank Rainer Köhl für die freundliche Genehmigung und die Fotos)