Lustvolle Loops

Review des Konzerts am 25.04.18 in der Alten Feuerwache Mannheim

(Samstag, 28. April 2018)

Ein Artikel von Rainer Köhl.

Schönste Tradition haben die Konzerte des Mannheimer Schlagwerk unter ihrem Leiter Dennis Kuhn in der Mannheimer Alten Feuerwache. Ein Feuerwerk an Rhythmen, Farben und Virtuosität war auch jetzt geboten bei vielen neuen Werken, aber auch Lyrisches.

Wie viel an Poesie in Schlagzeugmusik stecken kann, das ließ die erste Programmhälfte zum faszinierenden Erlebnis werden. In Owen Clayton Condons fantasiereichem „Fractalia“ ebenso wie in Anna Thorvaldsdottirs „Aura“. Eine dunkel magische Atmosphäre entfalteten vier Schlagzeuger in letzterem mit sanft gebürsteten Klängen eines Trommelfells, mit Bögen gestrichenen Vibraphonen und weiteren geheimnisvollen Ereignissen, die auch Gamelan-Tradition anklingen ließen. Als europäische Erstaufführung erklang Jakub Ciupińskis „Animacja“. Welch spannende Beziehungsgeflechte sich ergeben können, wenn vier Spieler ihre vereinzelten Töne so präzise auf die Instrumente tupfen, und sich daraus sublime Mosaike ergeben, wurde dabei erfahrbar. Zimbelhaft blinkende Töne, feine Geflechte, die beschleunigt wurden. All dies wurde von den Studierenden der Schlagzeugklasse Prof. Dennis Kuhn an der Mannheimer Musikhochschule bestechend umgesetzt.

Träumerisch und meditativ folgte Daniel Wohls „Replicate“. Ein vielgestaltiges Instrumentarium tönte dabei, ratschend, klöppelnd, mit subtiler Elektronik beigemischt. Das wirkte nicht selten wie der Flug durch Spiralnebel. Nicht weniger faszinierend war Pierre Jodlowskis „24 Loops“. Wie beim Tischtennis-Rundlauf traten vier Musiker ans Set, um je einen rhythmischen Loop einzuspielen, der aufgenommen und zu den weiteren Loops geschichtet wurde. Dichte rhythmische Muster ergaben sich dabei, ein tönendes Kaleidoskop, das am Ende mit improvisatorischer Lust aufgemischt wurde

Auftragswerke vergibt das Schlagwerk Mannheim regelmäßig, jetzt erklang mit „Parallel Motion“ für 2 Vibraphone, 2 Marimbas und 2 Perkussionisten ein Werk Stephan Thelen als Uraufführung. Mittelalterliche Isorhythmie-Techniken hat der Zürcher Komponist verwendet. Das waren ineinander verschränkte Patterns, die ihre starke Sogkraft durch die sehr dynamischen Polyrhythmen gewannen, welche die Schlagzeugerin Ying-Chen Chuang hochvital auf die Toms trommelte. „Pulses“ für 13 Thai-Gongs, 2 Vibraphone und 2 Marimbas war die zweite Uraufführung. Gamelan-Musik hat der französische Komponist dabei anklingen lassen, mit aparten Farbmischungen.

Komplexe, gegeneinander verschobene Rhythmen vereinte Joseph Pereira in seinem „Mallet Quartet“, das Dennis Kuhn dirgierte. Atonale Harmonien waren dies, die am Ende geheimnisvoll und zauberhaft klangen. Ein furioses Ende fand der Abend mit Tim Bradys „Fast“: Hochvirtuos und lustvoll jagende Patterns wurden von sechs Spielern sehr präzise ausgeführt , wechselten Sublimes und Erregendes.

(Herzlichen Dank an Rainer Köhl für die freundliche Genehmigung)