Interkulturelle Reise:

Es war ein wunderschönes Konzert und eine beeindruckende interkulturelle Performance heute Vormittag im Kammermusiksaal der Musikhochschule Mannheim. Wieder einmal hat das Mannheimer Schlagwerk gezeigt, wie grenzenlos und völkerverbindend Musik ist. Das UiTM Percussion Ensemble und sein sympathischer Leiter Max Riefer waren für das Kooperationsprojekt extra aus Malaysia angereist. Gemeinsam musizierten die Mannheimer Schlagwerker sichtlich inspiriert und ausgelassen mit den jungen Musikern aus Kuala Lumpur, doch dabei ging es nicht allein ums Trommeln. Die vielseitigen malaysischen Musiker warteten auch mit Gitarren und Akkordeon auf. Den Mannheimern wurden bei den folkloristischen Darbietungen dann auch Gesangs- und Tanzeinlagen abverlangt und Oğuz Akbaş glänzte mit einem improvisierten Marimba-Solo.

Bei dem dreitägigen Workshop sind wunderbare neue Freundschaften entstanden. Wer nun beim Abschlusskonzert nicht dabei war, hat leider etwas verpasst! Dafür gibt es hier eine kurze Reise in Bildern von unserer interkulturellen Begegnung mit traditioneller Malaysischer Musik. Mitglieder des Mannheimer Schlagwerks, gemeinsam mit dem UiTM Percussion Ensemble aus Kuala Lumpur. Kuala Lumpur liegt 35 km von der Westküste der malaysischen Halbinsel entfernt am Zusammenfluss der Flüsse Gombak und Klang.

Was uns die malaysischen Musiker mitbrachten lässt uns weit in die Geschichte der malaysischen Kultur blicken. Mak Yong, eine der traditionsreichsten musikalischen Formen Malaysias, wurde 2005 von der UNESCO zu einem „Meisterstück des mündlich weitergegebenen Weltkulturerbe der Menschheit“ erklärt. Mak Yong basiert, anders als die meisten klassischen Werke Südostasiens auf Legenden der Religion Kelantan. Meist werden Gongs, Lauten, Flöten, und Gendang Trommeln eingesetzt. Eine südthailändische Variante des Mak Yong ist Menora. Das Nobat wiederum ist eine musikalische Ausdrucksweise, die bei der Inthronisierung oder bei Geburtstagen eines Sultans zu hören ist. Das Orchester besteht hierbei zumeist aus sechs Musikern, welche mit Flöten, Trompeten, Trommeln und Gongs musizieren.

Als Erbe der nationalen Kultur fördert die Regierung bis heute das Dikir Barat. Hierbei handelt es sich um von Percussionsinstrumenten oder Xylophonen begleitete Gesänge, deren Ursprung auf die Ureinwohner Malaysias zurückzuführen ist. Zapin ist eine traditionelle Tanzmusik der Region Joor und wird normalerweise von traditionellen Samrah-Liedern begleitet, welche von Violinen, Marwas und Oud gespielt werden. Es gibt keine festgelegte Struktur des Tanzes. Die Anordnung der Elemente wird durch Kommunikation während der Präsentation entschieden. In der malaysischen Musik finden sich heute zahlreiche Einflüsse aus Arabien, Indien, Persien und China. Speziell die Händler im 16. Jahrhundert brachten Veränderungen mit nach Malaysia.

Doch nicht nur folkloristische Töne wurden beim heutigen Konzert angeschlagen. „Sehr schnelle Musik erfordert den Einsatz des „Muskelgedächtnis“ als grundlegendes Mittel – Skalen, Tonwiederholungen und kleine…rhythmische Zellen…Aber wer will schon 15 Minuten lang nur Skalen hören?“ fragte sich Tim Brady bei der Komposition seines Werkes „Fast for mallet sextet, Mvt. II & III (2015)“, welches das Mannheimer Schlagwerk dem gespannt lauschenden Publikum in rasantem Tempo präsentierte. „Ich muss als Komponist einen Weg finden, eine Art Hörillusion zu erschaffen.“ Das Konzept ging auf. Die Musik scheint sich beständig neu zu formen…nur eine Illusion?

Gemeinsam boten die Musiker aus Malaysia und Mannheim anschließend das für dreizehn Schlagzeuger komponierte Werk „Ionisation“ von Edgar Varèse unter souveräner Leitung von Max Riefer.

Am Ende konnte man den Konzertbesuchern die pure Freude und Begeisterung ansehen. Nach der Zugabe des UiTM-Ensembles blieb dann auch kein Auge trocken. Die Zusammenarbeit zwischen dem Mannheimer Schlagwerk und den inspirierenden Musikern des UiTM-Ensembles unter Leitung von Max Riefer findet sicher eine Fortsetzung. Ein Besuch des Mannheimer Schlagwerk in Kuala Lumpur sei schon in Planung….

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